Bitte die vollständige Seite laden

 

Bremsen für Tiere (z.B. Marder): Bei Motorrad angemessen, bei Auto nicht

Bremsen und Ausweichmanöver können den Teilkasko-Versicherungsschutz entfallen lassen.

Eine gerade in ländlichen Gegenden wohl bekannte Situation: Man ist mit dem Pkw auf einer Landstrasse unterwegs, und plötzlich läuft einem ein Hase, Marder oder Fuchs vors Fahrzeug. Wer jetzt spontan auf die Bremse tritt oder ein riskantes Ausweichmanöver vollführt, muss seine Tierliebe möglicherweise später bereuen. Denn verliert er dabei die Kontrolle über sein Fahrzeug und wird dieses beschädigt, so zahlt die Teilkaskoversicherung meist keinen Cent.

Für Wildunfälle muss die Teilkaskoversicherung normalerweise nur dann zahlen, wenn der Fahrzeugschaden durch den Zusammenstoß mit einem Tier entstanden ist. Verunglückt der Versicherte dagegen durch bloße Ausweich- oder Bremsmanöver, so ist dieser Schaden - anders als bei Vollkaskoverträgen - nicht gedeckt.

Wenn eine Kollision mit einem großen Wildtier unmittelbar bevorstand und der Fahrzeugführer dem Tier ausgewichen ist, gibt es in der Praxis dennoch oft Geld von der Versicherung. Und zwar dann, wenn das Ausweichen erfolgte um einen schweren Aufprall abzuwenden. Grund: Erleidet der Versicherte dadurch, dass er sich bemüht, einen Schaden abzuwenden oder gering zu halten Nachteile, so muss die Versicherung ihm diese laut Gesetz ausgleichen. Wer dagegen einem kleinen Tier, wie einem Hasen, Igel oder Marder ausweicht, muss da-durch entstehende Schäden in der Regel selbst tragen. Hier stehen die meisten Gerichte auf dem Standpunkt, dass die von Kleintieren ausgehende Gefahr für einen Pkw so gering ist, dass es unverhältnismäßig wäre, das mit einem Brems- oder Ausweichmanöver verbundene Unfallrisiko in Kauf zu nehmen (so z.B. BGH, Az. IV ZR 321/95).

Für Zweiradfahrer ist hingegen nach einem Urteil des OLG Hamm eine andere Beurteilung möglich: Zweiradfahrer dürften im Unterschied zu Autofahrern auch kleinen Tieren ausweichen oder für sie bremsen, denn hier bestehe - jedenfalls in Kurven - die erhebliche Gefahr, dass die Maschine seitlich wegrutsche, wenn das Vorderrad eines Motorrades ein Kleintier er-fasse und überrolle. In dem zugrunde liegenden Fall war ein Motorradfahrer in einer Kurve einem Marder ausgewichen. Bei dem Bremsmanöver war er gegen die Leitplanke geprallt. Als seine Versicherung nachfolgend nicht zahlen wollte, wurde das Gericht angerufen. Das OLG entschied, dass die Reaktion des Mannes keineswegs unverhältnismäßig gewesen sei. (Urt. v. 31.5.2001; Az. 6 U 28/01)

Mitgeteilt von Rechtsanwalt Stefan Loske


Zurück zur Übersicht