Bitte die vollständige Seite laden

 

Kriminelle Vergangenheit sorgt für Leistungsausschluss

Versicherer informieren sich heutzutage aus den verschiedensten Quellen über ihre Versicherten. Dass dies sich manchmal sogar in einem Leistungsausschluss widerspiegeln kann, zeigt der folgende Fall:

Ein Versicherungsnehmer meldete sein fast 60.000 DM teures Motorrad der Marke Harley-Davidson bei seiner Kaskoversicherung als gestohlen. Da jedoch an der Garage, aus der das Motorrad angeblich gestohlen worden war, keinerlei Aufbruchspuren erkennbar waren und es auch keine Zeugen oder sonstige Beweise für den Vorfall gab, hing der Ausgang des anhängigen Rechtsstreits über die Zahlung der Entschädigung allein von der Glaubwürdigkeit des Versicherungsnehmers ab. Und in diesem Punkt kamen dem Gericht erhebliche Bedenken, da der Mann bereits in den beiden Vorjahren mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Eine Verurteilung wegen Betruges und ein weiteres Strafverfahren wegen Betruges, das gegen Zahlung einer Geldbusse eingestellt worden war sowie eine Verurteilung wegen Urkundenfälschung wertete das Gericht als Indiz für die mangelnde Wahrheitsliebe diese Versicherungsnehmers.

Im Normalfall erhält die Versicherung von diesen Vorstrafen zwar keine Kenntnis, da sie weder Einsicht in das Vorstrafenregister nehmen darf noch etwa ein polizeiliches Führungszeug-nis von ihrem Versicherungsnehmer anfordern darf. Allerdings hatte die Polizei bei der Entwendung des Motorrades aufgrund von Unstimmigkeiten bei der Schadenmeldung wohl ebenfalls einen Betrugsverdacht und ermittelte daher in diese Richtung. So kam ein Auszug aus dem sogenannten Bundeszentralregister, welches Auskunft über die Vorstrafen eines jeden Bürgers enthält, in die Ermittlungsakte. Diese ist der Versicherung im Rahmen des Rechtsstreites um die Versicherungsleistung dann bekannt und so zum Gegenstand des Verfahrens gemacht worden.

Der Motorradfahrer wird in Zukunft auch bei anderen Versicherungsgesellschaften auf Schwierigkeiten stoßen: Entweder er erhält überhaupt keinen Kaskoversicherungsschutz mehr oder nur gegen Zahlung einer deutlich erhöhten Prämie. Auch im Fall von fragwürdigen Schadenmeldungen werden die Versicherungen erhebliche Nachforschungen anstellen. Möglich macht dies ein gerade im Auto- und Motorradversicherungsbereich gut funktionierendes System von Hinweis- und Warndateien, welches die Versicherer gemeinsam aufgebaut haben und über das sie sich gegenseitig umfassend über einen Versicherungskunden informieren können. So kann sich jeder Versicherer auf Knopfdruck über die bisherige Versicherungs-"Karriere" seines Kunden, insbesondere über Details der gemeldeten Schäden und evtl. aufgetretene Probleme oder Unstimmigkeiten informieren.

Autor: Rechtsanwalt Heiko Wenzel


Zurück zur Übersicht