Bitte die vollständige Seite laden

 

Der Verkehrsunfall im Ausland - eine oft mit viel Ärger verbundene Angelegenheit

Bei den jährlich ca. 500.000 Verkehrsunfällen von Deutschen in Europa dauert die Schadenabwicklung oft länger als ein Jahr und ist mit viel Ärger verbunden. Grund dafür ist der Umstand, dass bei diesen Unfällen grundsätzlich das Verkehrs- und Schadenersatzrecht des Unfalllandes gilt. Nur wenn zwei Deutsche im Ausland einen Verkehrsunfall haben, dann gilt ausnahmsweise deutsches Recht.

In allen anderen Fällen muss der Geschädigte seine Ansprüche beim gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend machen. Dies ist oft ein durchaus schwieriges Unterfangen, da bereits die unterschiedliche Sprache eine schnelle Schadenregulierung verhindern kann. So kann es durchaus passieren, dass in deutscher Sprache verfasste Anspruchsschreiben gar nicht oder nur sehr zögerlich bearbeitet werden. Damit der Unfall wenigstens ordentlich protokolliert werden kann, hilft der mehrsprachige europäische Unfallbericht weiter, den Sie sich vor Antritt der Reise bei Ihrem Versicherer oder einem Automobilclub besorgen sollten.

Die Unterschiede beim Schadenersatz sind in den verschiedenen europäischen Ländern durchaus unterschiedlich. Von Harmonisierung innerhalb der Europäischen Gemeinschaft ist jedenfalls nicht viel zu erkennen. Grundsätzlich gehen die Rechtsordnungen zwar alle davon aus, dass Einbussen an Gesundheit und Eigentum ersatzfähig sind und vom Verursacher auch ausgeglichen werden müssen, jedoch ist die Definition der Einbusse durchaus unterschiedlich.

Insbesondere beim Ersatz von Anwaltskosten, Wertminderung, Nutzungsausfall, Höhe der Reparaturkosten gibt es erhebliche Unterschiede bei der Erstattungsfähigkeit. Auch ärztliche Atteste und Gutachten, die wichtig zur Bezifferung eines Schmerzensgeldanspruches sind, werden oft nicht anerkannt. Sehr hilfreich kann es daher sein, sich direkt vor Ort und unmittelbar nach dem Unfall ein Gutachten von einem lokalen Arzt zu besorgen.

Wichtig ist es in jedem Fall, die Ansprüche gegen die richtige Person bzw. Versicherung zu richten. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Ansprüche immer direkt auch gegen den Kfz-Haftpflichtversicherer gerichtet werden können, geht dies im europäischen Ausland nicht in jedem Fall. Oft muss zunächst der Unfallverursacher selbst in Anspruch genommen werden, der dann seinen Haftpflichtversicherer bittet, den Schaden zu regulieren.

Oft ist es schon gar nicht so einfach wie in Deutschland, den Haftpflichtversicherer des Unfallgegners im Nachhinein zu ermitteln. Während es in Deutschland zu diesem Zweck ein zentrales Register gibt, in dem für jedes zugelassene Auto der entsprechende Haftpflichtversicherer registriert ist, funktioniert dies z.B. in Spanien, Italien und Frankreich nicht. Hier ist es sehr wichtig, sich von einer meist an der Windschutzscheibe des Unfallgegners angebrachten Vignette den Namen der Versicherungsgesellschaft und die Nummer der Versicherungspolice zu notieren!

Mittlerweile hat die Europäische Union eine Richtlinie erlassen, die bis Juli 2002 von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umzusetzen ist. Diese Richtlinie legt fest, dass der Geschädigte immer einen Direktanspruch gegen den Versicherer des Unfallverursachers haben muss. Damit die Anmeldung der Ansprüche erleichtert wird, muss jede Versicherungsgesellschaft in jedem EU-Land einen sog. Schadensregulierungsbeauftragten einsetzen, der dann die Abwicklung der Schadenregulierung in der jeweiligen Sprache übernehmen muss. Die Richtlinie sieht vor, dass dieser Regulierungsbeauftragte innerhalb von drei Monaten tätig werden muss. Geschieht dies nicht oder gibt es sonstige Probleme bei der Abwicklung, soll sich der Geschädigte an eine Auskunftsstelle wenden können, die ebenfalls in jedem Land eingerichtet werden soll. Zusätzlich soll es die Möglichkeit geben, sich bei den Auskunftsstellen über alle in den Mitgliedsstaaten zugelassenen Pkw, die jeweiligen Haftpflichtversicherer und die Regulierungsbeauftragten zu informieren.

Durch diese Maßnahmen erhält der Geschädigte zunächst noch keinen Pfennig mehr Geld, da auch der Schadenregulierungsbeauftragte nur nach dem ausländischen Recht im jeweiligen Land, in dem der Unfall passiert ist, reguliert. Allerdings erhöhen sich die Chancen, bei Einschaltung von rechtskundigen Personen seinen Schaden wenigstens in dem Umfang, wie es die ausländische Rechtsordnung vorsieht, auch tatsächlich innerhalb einer vertretbaren Zeit ersetzt zu bekommen.

Autor: Rechtsanwalt Heiko Wenzel


Zurück zur Übersicht