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Ich will raus!

Wenn Sie nicht länger versichert sein wollen, sollten Sie Ihre Rechte als Kunde kennen.

Grundsätzlich können Sie bei den meisten Verträgen innerhalb von 14 tagen nach Unterschrift des Antrages auf Abschluss einer Versicherung dieses Angebot widerrufen. Dazu muss der Brief nicht einmal innerhalb dieser Frist beim Versicherer eingehen, sondern es genügt die rechtzeitige Absendung. Diese Regel gilt für alle Verträge mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr bis auf Lebensversicherungsverträge. Soll der Versicherungsschutz mit sofortiger Wirkung beginnen, z.B. bei der Kfz-Haftpflichtversicherung, entfällt das Widerrufsrecht. Dies gilt ebenso bei Abschluss der Versicherung für Ihre gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass geschäftlich erfahrene Menschen ihre Entscheidungen sorgfältiger überdenken und daher nicht vor Überrumpelung durch einen Vertragspartner geschützt werden müssen.

Ist ein Widerruf ausgeschlossen, so gibt es noch die Möglichkeit des Rücktritts vom Versiche-rungsvertrag. Wichtig ist dies insbesondere bei Lebensversicherungsverträgen, die oft mit erheblichen finanziellen Verpflichtungen einhergehen. Sie als Versicherter können innerhalb von ebenfalls 14 Tagen nach Erhalt des Versicherungsscheins (der "Police") vom Vertrag zurücktreten. Dies gilt auch für die vom Widerrufsrecht ausgeschlossenen Verträge mit einer Laufzeit von unter einem Jahr und für diejenigen Verträge, die sofortigen Versicherungsschutz gewähren. Die Rücktrittserklärung muss schriftlich und rechtzeitig erfolgen.

Hat die Versicherungsgesellschaft auf das Recht zum Widerruf bzw. zum Rücktritt nicht schriftlich hingewiesen und sich vom Kunden diese Aufklärung schriftlich per Unterschrift bestätigen lassen, dann hat der Versicherte die Möglichkeit, bis zu vier Wochen nach Zahlung des ersten Beitrages den Vertrag zu widerrufen oder vom Vertrag zurückzutreten.

Eine weitere Möglichkeit, einen ungeliebten Vertrag loszuwerden, ist der Widerspruch. Die-ser kann grundsätzlich bis 14 Tage nach Erhalt jeder Police erfolgen. Auch hier muss der Versicherer den Kunden deutlich über dieses Recht belehren und muss ihm alle vorgeschriebenen Verbraucherinformationen aushändigen. Passiert dies nicht ordnungsgemäß, kommt ein Widerruf unter Umständen bis zu einem Jahr nach Zahlung des ersten Beitrages in Betracht! Diese Option besteht öfter, als die meisten Versicherten überhaupt ahnen, denn die Versicherer müssen die Kunden über eine ganze Reihe von Dingen ausführlich schriftlich informieren. Gerade bei Lebensversicherungen gehören dazu Informationen über Berechnungsgrundlagen für Überschussbeteiligungen, Rückkaufwerten, Folgen von beitragsfreien Anwartschaften und vieles mehr. Aber auch ganz banale Informationen, deren Übersendung eigentlich bereits mit dem Angebot selbstverständlich sein sollten, wie z.B. die Versicherungsbedingungen, werden oft überhaupt nicht oder nur ohne Nachweis versandt.

Es kommt auch vor, dass die Police von dem Antrag abweicht, weshalb Sie diesen nach Erhalt stets aufmerksam lesen sollte, bevor Sie ihn abheften. Bei Abweichungen können Sie bis zu vier Wochen nach Erhalt der Police widersprechen. Tun Sie dies nicht, wird jedenfalls dann, wenn die Änderungen deutlich gekennzeichnet waren, von Ihrem stillschweigenden Einverständnis mit den vorgenommenen Änderungen auszugehen sein.

Wichtig: Sorgen Sie immer dafür, dass Sie den Zugang von Widerruf, Widerspruch oder Rücktritt beim Versicherer auch beweisen können. Hierzu bietet sich als probates Mittel die Versendung eines Telefaxes oder eines Einschreibens mit Rückschein an. Damit können Sie im Zweifel fast immer beweisen, dass der Versicherer Ihre Mitteilung erhalten hat.

Autor: Rechtsanwalt Heiko Wenzel


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